Tödlicher Unfall in Formel 2: Nachwuchs-Rennfahrer Andreas Estner kennt das Risiko

Der tödliche Unfall von Anthoine Hubert (20) in Spa-Francorchamps hat die Motorsportwelt geschockt. Andreas Estner (19) war selbst mit der Formel 3 vor Ort.


Spa-Francorchamps/Wall– Als die zwei völlig zerstörten Formel-2-Boliden auf den Fernsehbildschirmen auftauchen, wird es still im Fahrerlager von Spa-Francorchamps. Auch Andreas Estner (19) reicht ein Blick, um zu wissen, was für ein schwerer Unfall sich in der berühmt-berüchtigten Eau-Rouge-Kurve der belgischen Rennstrecke ereignet hat. Wie alle Zuschauer hat auch der Formel-3-Pilot aus Wall keine Zeitlupenbilder vom Aufprall gesehen. „Die Übertragung wurde sofort gestoppt“, sagt Estner. „Da hat man schon erahnen können, dass es schlimm gewesen sein muss.“

Wie schlimm, erfährt der Rennfahrer zwei Stunden später beim Abendessen: Der Franzose Anthoine Hubert ist im Alter von nur 20 Jahren im Medical Center der Rennstrecke seinen schweren Verletzungen erlegen. Ein Schock für die im Rahmen des Formel-1-Rennens versammelte Motorsportgemeinde – ganz besonders für alle anderen Nachwuchs-Piloten. Und damit auch für Estner.



Hubert habe er nur vom Sehen im Fahrerlager her gekannt, meint der Waller. Gegen ihn gefahren sei er nie. Das Schicksal des Franzosen geht ihm trotzdem nahe. „Ich habe keine Worte für das, was heute passiert ist, ich kann es nicht glauben“, schreibt Estner noch am Samstagabend bei Instagram unter einem Schwarz-Weiß-Bild des soeben gestorbenen Hubert. „Ein sehr trauriger Tag für den Sport. Ruhe in Frieden, Anthoine Hubert. Meine Gedanken sind bei ihm und seiner Familie. Er wird unvergessen bleiben.“

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Am Morgen danach steigt Estner wieder ins Auto. 17 Runden sind in Rennen zwei zu absolvieren, 17 Mal durch die Eau Rouge. Die Kurve, in der Hubert sein Leben verloren hat, nachdem er einem havarierten Auto ausweichen musste, so selbst in die Streckenbegrenzung krachte und schließlich von dem mit rund 270 Stundenkilometer heranrasenden Juan Manuel Correa (USA) mit voller Wucht getroffen wurde.

Estner versucht, all das auszublenden. „Beim Einsteigen hatte ich schon ein leicht mulmiges Gefühl“, gibt der sonst so gelassene Rennfahrer zu. Mit dem Schließen des Helmvisiers versetzt sich der 19-Jährige aber wieder in den Fokus-Tunnel, den er für die volle Konzentration im Auto braucht. Weniger aufs Gas drückt er im Rennen nicht. „Man macht da nichts anders als sonst“, sagt Estner. Als Rennfahrer wisse man um das Risiko seines Sports. „Es kann jeden von uns treffen.“ Wenn man mit dem nicht leben könne, brauche man gar nicht erst damit anfangen.

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Den Kopf zerbrechen über den Unfall eines anderen Fahrers will sich Estner ohnehin nicht. So versucht er auch in Spa, möglichst wenig darüber zu reden oder sich gar an Spekulationen zur Ursache zu beteiligen. Jeder Rennfahrer habe zwei Ziele, sagt der 19-Jährige: So schnell wie möglich zu sein, aber eben auch unbeschadet ins Ziel kommen.

Dass dies dem tödlich verunglückten Hubert und dem schwer verletzten Correa nicht vergönnt war, ist für Estner ein tragisches Schicksal. „Es ist einfach blöd gelaufen, da hatte keiner Schuld.“


Miesbacher Merkur


Text: Sebastian Grauvogl

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