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Fleißig Punkte gesammelt

Sebastian Estner fährt stark in Hockenheim – Bruder Andreas liefert verkorksten Monza-Auftritt ab.


Wall – Wollte man Sebastian Estners Formel 4-Wochenende am Hockenheimring grafisch abbilden, bräuchte man nur einen Pfeil zeichnen. Mit der Spitze nach rechts oben. Zehnter in Rennen eins, Sechster in Rennen zwei, Fünfter in Rennen drei: „Sebastian hat sich in jeder Session gesteigert“, berichtet das Team des 18-jährigen Wallers stolz. Er habe in Hockenheim seine bislang konstanteste Saisonleistung gezeigt. „Gute Starts, starke Manöver und eine reife Fahrleistung“, lautet die Schlussbewertung der niederländischen Van Amersfoort-Mannschaft über ihr deutsches Talent.

Tatsächlich war Estner von Beginn an anzumerken, dass er sich auf der Strecke im Norden Baden-Württembergs wohlfühlt. Übrigens der einzige Kurs im Kalender, auf dem die Formel 4 heuer zwei Mal Station macht. Anders als Ende Juli, als die Nachwuchsserie im Rahmenprogramm der Formel 1 auftrat, war die Atmosphäre etwas weniger glamourös – dafür aber nicht ganz so hektisch. Genau richtig für Estner, um sich voll und ganz aufs Sammeln von wertvollen Kilometern zu konzentrieren und sich so Zehntelsekunde um Zehntelsekunde zu verbessern.

Der erste Sprung gelang dem 18-Jährigen schon im Kampf um die Startaufstellung. Er verbesserte sich von Platz 13 im ersten auf Platz neun im zweiten Qualifying. Die Grundlage für den Aufwärtstrend, der Estner in allen drei Rennen in die Top 10 trug und ihm damit wichtige Punkte für die Meisterschaft einbrachte. Hier steht der Waller aktuell mit 53 Zählern auf Rang 14 von 18. Am kommenden Wochenende will Estner sein Punktekonto weiter aufstocken. Auf dem Sachsenring geht die Formel 4 in ihr Saisonfinale.


Sein älterer Bruder Andreas kann ihm hier nicht die Daumen drücken – zumindest nicht vor Ort. Der 19-Jährige ist ein gutes Stück weiter östlich im Einsatz: beim Finale der Formel 3 in Sotschi (Russland). Einmal mehr komplettes Neuland für Andreas Estner. Auf der 5,5 Kilometer langen Rennstrecke im Olympiapark der Winterspiele von 2014 hat er zuvor noch nie einen Gasfuß gesetzt.

Allzu hoch will er deshalb seine Ziele nicht stecken. Besser als zuletzt in Monza soll es aber schon laufen, hofft der 19-Jährige. Denn auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Norden Italiens erlebte er im Siegesrausch von Ferrari in der Formel 1 ein wahrhaft schwarzes Wochenende.

Das nahm schon im ersten Training seinen Anfang. Estner war auf Slicks unterwegs, als Regen einsetzte. In einer besonders nassen Kurve genügte ein leichter Gasstoß, um das Auto des Schweizer Rennstalls Jenzer Motorsport ausbrechen zu lassen. Trotz schneller Reaktion hatte der Waller keine Chance mehr. Er drehte sich und krachte in die Mauer. Nach nur sechs Runden war sein Training vorbei. Die Folge: Er musste ohne jegliche Streckenkenntnisse in die Qualifikation.

Da zeigte sich einmal mehr, wie viel Erfahrung im Motorsport ausmacht. Estner war durch seinen Trainingsrückstand schlicht chancenlos und kam nicht über den letzten und 30. Startplatz hinaus. Auch im ersten Rennen lief es noch nicht wirklich rund für ihn, auch wenn er auf trockener Strecke einige Plätze gutmachen konnte und letztlich als 22. die schwarz-weiß-karierte Flagge sah.

Im zweiten Rennen war der Regen zurück. Nach dem Trainingsunfall ging Estner vorsichtig zu Werke und musste ein paar Positionen abgeben. Als die Strecke immer weiter abtrocknete, kam der 19-Jährige besser in Fahrt. Am Ende fuhr er Zeiten wie die Führenden. An ein Überholen war aber trotz der langen Geraden in Monza nicht zu denken. Wegen der baugleichen Motoren in der Formel 3 sind die Fahrer hier oft auf das DRS-System (Flachstellen des Heckflügels zur kurzfristigen Geschwindigkeitssteigerung) angewiesen. Wegen des Regens zu Beginn hatte die Rennleitung dieses jedoch nicht aktiviert. Hieß für Estner: Mehr als Platz 24 war nicht drin.

Die Wetterprognose im russischen Sotschi ist unklar. Durch die Lage unmittelbar am Schwarzen Meer sind Überraschungen nicht auszuschließen. Diesmal aber, hofft Estner, mit positiven Folgen für sein letztes Rennen der Saison.


Text: Sebastian Grauvogl (Miesbacher Merkur)

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